Die Klapperschlange
Wie Verletzungen weitergegeben werden.
Von Dr. med. Georg Hünig · Stand
„Wie der Vater, so der Sohn“
Manche Menschen erschrecken, wenn sie sich selbst zuhören. Sie hören einen Satz aus ihrem Mund, den früher die Mutter gesagt hat. Genau der Satz, den sie nie sagen wollten.
Das ist kein Zufall und auch kein Versagen. Verletzungen, die wir für uns selbst nicht annehmen konnten, geben wir weiter. Meist ohne es zu wollen und ohne es zu merken.
Wie die Weitergabe geschieht
Was in uns nicht gefühlt werden durfte, sucht sich einen Weg nach draußen. Oft trifft es die Menschen, die uns am nächsten sind. So wandern Verletzungen von einer Generation zur nächsten.
Die Klapperschlange ist ein altes Holzspielzeug aus vielen kleinen Segmenten. Stößt man das erste an, wandert ein Klappimpuls von Segment zu Segment, mal nach rechts, mal nach links – bis ans Ende der Schlange.
Genau so wandern seelische Verletzungen. Erwachsene, die Gewalt anwenden, haben als Kind oft selbst Gewalt erfahren. Nur haben sie diese Erfahrung „vergessen“. Der Impuls ist trotzdem noch da und wird weitergegeben – manchmal über Generationen.
Den Kreislauf unterbrechen
Die gute Nachricht: Der Kreislauf lässt sich unterbrechen. Wer seine eigenen Verletzungen anerkennt und fühlt, muss sie nicht mehr weiterreichen. Das ist vielleicht das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können.
Ausführlich beschrieben – in Fach- und in Alltagssprache – im Buch „Modelle in der Psychotherapie“. Diese Seite ersetzt keine Beratung oder Behandlung.