Das Traumagedächtnis
Warum manche Erinnerungen nicht vergehen wollen.
Von Dr. med. Georg Hünig · Stand
Eine Erinnerung ohne Datum
Die meisten Erinnerungen werden mit der Zeit blasser. Sie bekommen einen Platz in unserer Lebensgeschichte, mit einem Vorher und einem Nachher. Wir wissen: Das war damals.
Bei überwältigenden Erlebnissen klappt das oft nicht. Das Gehirn speichert sie in Bruchstücken – ein Geruch, ein Geräusch, ein Bild, ein Gefühl im Körper. Was fehlt, ist das Datum.
Wenn damals plötzlich jetzt ist
Darum kann ein kleiner Auslöser eine große Reaktion hervorrufen. Ein Tonfall, ein Geruch, eine bestimmte Situation – und der Körper reagiert, als passiere es gerade jetzt. Mit Herzrasen, Erstarren, Flucht.
Die Menschen, die mir das erzählen, schämen sich oft dafür. „Das ist doch längst vorbei.“ Ja, im Kopf. Aber das Traumagedächtnis weiß das noch nicht.
Was hilft
Das Modell zeigt, warum Wegdrücken selten funktioniert und warum es Geduld braucht, eine solche Erinnerung nach und nach in die eigene Geschichte einzuordnen. Bis sie zu dem werden darf, was sie ist: eine Erinnerung an etwas, das vorbei ist.
Wer unter solchen Erinnerungen leidet, sollte sich Unterstützung holen. Traumatherapie ist heute gut erforscht und wirksam.
Ausführlich beschrieben – in Fach- und in Alltagssprache – im Buch „Modelle in der Psychotherapie“. Diese Seite ersetzt keine Beratung oder Behandlung.